Empfehlung von Dunlop:
Teilbeladen: 2,0bar vorne, 2,3bar hinten.
Vollbeladen: 2,4bar vorne, 2,9bar hinten.
(Anmerkung:) BMW:
Teilbeladen: 2,4bar vorne, 2,9bar hinten.
Vollbeladen: 2,8bar vorne, 3,3bar hinten.
Ja, das ist schon ein Unterschied. Ich würde nicht ganz so weit runter gehen, zumindest
nicht bei Fahrten jenseits der 200. Es geht aber noch, wenn man berücksichtigt,dass die
konventionellen Reifen mglw. einen höheren Lastindex besitzen. So in etwa passt das aber
schon.
Hinten muss es etwas mehr sein, denn da dort der Sturz nicht selten um bis zu eineinhalb
Grad höher ist, ist auch die Belastung für den Reifen höher. Das dürfte mit ein Hauptgrund
dafür sein, dass BMW für die HA um ein halbes Bar höhere Drücke angibt.
Ich wollte es nicht gleich so raushängen lassen, aber vorsichtig formuliert ist meine Meinung
zu Luftdruckempfehlungen der Reifenhersteller eher "verhalten". BMW weiß was gut ist (naja,
meistens), und vor allem führt BMW aufwendige Fahrversuche durch. BMW kennt alle Motor-
und Karosserievarianten des E9X, alle Formate und alle Reifentypen, die eine gewisse Markt-
bedeutung besitzen.
Die Reifenhersteller können das nicht leisten. Sie müssten sich dafür TAUSENDE Fahrzeugmo-
delle besorgen. Es sollte einleuchten, dass das schon aus rein logistischen Gründen gar nicht
möglich ist.
Und da wären wir dann bei der Frage, wie denn die Empfehlungen von Dunlop, Hankook oder
Conti zustande kommen: Die Mädels im Callcenter nutzen ein stinknormales Excel-Tool. Die
Eingangsdaten sind u.a. Reifenformate mit Lastindex, Achs- bzw. Radlasten, Vmax, vielleicht
die Luftdruckangaben des Autoherstellers und hoffentlich auch der Sturz. Zumindest bei
Conti war letzteres mal der Fall. Dazu kommt ggf. noch ein Sicherheitszuschlag oben drauf.
"Erfahren" wird da gar nichts, siehe oben. Es wird lediglich errechnet. Mehr nicht. 
Meine Meinung: Da sind die Angaben unten an der A-Säule mehr wert. Die sind ganz klar
aufwendiger und vor allem praxisnäher ermittelt. Nur in Fahrversuchen kann man auch die
Auswirkungen auf das Handling wirklich sauber untersuchen.
Die Tatsache, dass die Werte in diesem Beispiel ganz gut hinkommen ändert grundsätzlich
nichts daran, dass Reifenhersteller entgegen mancher Meinung für solche Fragen eben doch
kein guter Ansprechpartner sind. ich habe da schon haarsträubende Werte gesehen, die
weitaus zu hoch waren.
Und wer sagt, aber RFT und normale Reifen, das macht doch einen Unterschied, den frage
ich, warum dann auf dem Sticker von BMW oder in der BDA keine anderen Drücke angege-
ben sind? Denn RFT sind nicht vorgeschrieben, man kann auch was anderes aufziehen. RFT
sind nicht mal bei allen Modellen Serie. Die 16"-Basisbereifung kam standardmäßig mit ganz
normalen Reifen. Wenn es nötig und oder sinnvoll wäre, dann würde BMW dafür andere
Druckangaben bereitstellen. Tun sie aber nicht.
Das alles soll aber niemanden davon abhalten eigene Versuche zu unternehmen. Ich wäre
aber vorsichtig, und würde die BMW-Vorgaben niemals um mehr als 0.3 bar unterschreiten.
Grundsätzlich kann man aber den Druck (in Maßen !!) an den Lastindex (LI) anpassen. So
in etwa hat sich diese Regel als sinnvoll erwiesen:
- je fehlenden LI ist zwingend um 0.1 bar erhöhen (!!)
- je "überschüssigem" LI um 0.05 bar darf (nicht muss) man verringern
Beispiele:
- man montiert LI88 statt serienmäßig LI92 bei Vorgabe 2.5 bar: auf 2.9 bar erhöhen
- man montiert LI92 statt Serie LI88 bei ebenfalls Vorgabe: 2.5 bar: man kann auf 2.3 bar runter
Und dann ist man gar nicht mehr so weit von den o.g. Werten entfernt.
Ein Schelm,
wer sich nun denkt, dass die das mglw. "ähnlich" gemacht haben.
Abschließend noch ein Wort zur Erhöhung des Luftdrucks frei Schnauze: Mehr Druck
versteift den Reifen und das gibt mehr Feedback. Das verleitet zum Eindruck, man
könnte so auch schneller durch Kurven fahren. Meist täuscht der Eindruck aber.
Mit steigendem druck wird auch die Aufstandsfläche kleiner. Weniger in der Breite,
sondern vor allem in der LÄNGE !! Dieser sog. "Latsch" ist hauptentscheidend für den
Grip, gerade auch bei Nässe. Die Haftung sinkt, die Bremswege werden (vor allem bei
Regen) länger, auch die möglichen Kurvengeschwindigkeiten verringern sich.
Wer es nicht glaubt, der muss Bremswege und/oder Rundenzeiten messen. Und er
sollte mal ein Blatt Papier von vorne und von hinten unter den Reifen schieben -
einmal bei Maximal- und einmal bei Minimaldruck. Er wird einen Unterschied sehen.
