Yamesblunt:
grundsätzlich sehe ich solche Werbevideos (ich habe nur das letzte geschaut, und für Hr. Wagner ist das eindeutig Werbung - er erzählt und du glaubst) kritisch, aber ich finde es trotzdem interessant.
Da das Thema aber nicht neu ist (keramische Zusätze zum Motoröl gibt es seit 30 Jahren), vielleicht ein paar Fragen:
- im Motor sind nirgends Finger verbaut, der Vergleich hinkt daher ein wenig. Gibt es Nachweise, wie das Zeug an metallischen Oberflächen haftet?
- "weiß" die Keramik, wo sie sich abzulagern hat? Es ist vielleicht nicht überall sinnvoll, aber da, wo es sinnvoll ist, muss sie auch einigermaßen widerstandsfähig sein gegen mechanische/chemische/thermische Beanspruchung - auch das Trägermedium.
- Leistungstests auf dem Prüfstand mit dem ganzen Auto sind nicht aussagekräftig, da man nämlich den gesamten Antriebsstrang mitmisst, und schon kleine Schwankungen bei Temperatur/Luftdruck zu anderen Ergebnissen führen - von der grundsätzlichen Messfehlern mal abgesehen, die ohnehin unvermeidbar sind. Daher gehört der Motor alleine auf einen Prüfstand in einer klimatisierten Kammer - DANN kann man Aussagen machen. So nicht.
- Im Video wird gesagt, dass es kein abrasives Verhalten gibt - der Vergleich mit den Fingern hinkt schon wieder, Autopolitur ist auf den Fingern auch schön weich - auf dem Lack nicht. Wie wurde der Beweis erbracht? Wer hat das verifiziert, und wie? Unabhängig oder von Wagner beauftragt?
- Wie groß sind die Keramikpartikel? Ist das Material filtergängig? Hr. Wagner verwechselt im Video an einer Stelle Abscheiderate und Porengröße. Er sagt auch nichts darüber, in welcher Zeit die 2% abgeschieden wurden. Im Übrigen widerspricht er an der Stelle einer früheren Stelle im Video: er sagt, dass durch die zugegene Menge kein Verstopfen des Filters zu erwarten ist. Wenn man aber "aus Versehen" eine größere Menge einfüllt, könnte das schon im Filterkuchen zu einer Verstopfung führen.
- bei Kupplungen kommt es zu "keiner Überbeschichtung", und "es wird nur der Verschleiß reduziert". Wie macht man das, ohne den Reibwert der Kupplung zu verändern? Ich behaupte vorerst mal noch nicht, dass das unmöglich ist, aber ein paar Hintergrundinfos wären hier wirklich willkommen.
- Er behauptet zwar, dass man im Realbetrieb mehr Kraftstoff einsparen würde als auf dem Prüfstand (statt 4% nämlich 10%), warum das so ist, erklärt er aber nicht. Und - du sagst nur, "hm, ja".
- "bei jedem Ölwechsel zugeben, damit die keramik im Öl mitschwimmt". Was soll das? Wenn der Verschleißschutz aufgebaut und stabil ist, dann muss ich das Zeug doch nicht dazu kippen, damit es im Öl mitschwimmt? Oder wird das aus den "Poren" so schnell wieder "ausgewaschen"? Lt. seiner Aussage ist nach 60tkm noch Keramik eingelagert. Nach 10tkm fülle ich aber schon wieder was nach. Geldschneiderei?
- Ich wüsste gerne mehr über die Probleme an den Türgelenken meines Autos - da muss mir etwas fundamental entgangen sein
Vielleicht liegt es daran, dass ich mit handelsüblichem Zeug ab und zu fette... Rostlöser musste ich noch nie einsetzen.
- Im Video wird gesagt, warum Keramik funktioniert, und PTFE nicht. Was hier drin ist, weiß ich nicht - Keramic ist es nicht. Aber vom TÜV als wirksam bestätigt ist es trotzdem... wie kann das sein?
Ich will das jetzt nicht komplett schlecht reden. Du hast deine Erfahrungen gemacht, du versucht da überlegt ranzugehen - alles gut. Man muss halt eben schauen, welche Einflussfaktoren es gibt. Dass dein Auto ruhiger läuft als das von anderen, kann 100 Gründe haben. Motor und Getriebe sind wieder 2 Paar Schuhe.
Wäre schön, ein etwas kritischeres Video zu sehen, das dem Produkt (und seinem Hersteller) etwas mehr auf den Zahn fühlt.
Last but not least: wenn das Zeug zu gut ist - warum nehmen die BigPlayer wie BP, Shell, Castrol usw. diesen kleinen Anbietern nicht einfach die Butter vom Brot, indem sie sowas selbst anbieten und das Geld einstreichen? Nennenswerte Patente scheint es ja nicht zu geben, wenn man die Vielzahl der Anbieter betrachtet.