Inzwischen habe ich, auch aufgrund der zahlreichen positiven Erfahrungen in diesem Thread, auch das B12 ProKit verbaut. Die ersten 350km bin ich gefahren, Zeit für ein erstes Fazit.
Optik
Wie schon oft gesagt, ist die Tieferlegung durch das ProKit nicht sehr groß. Bei mir wäre es im Prinzip so: vorne ok, hinten zu hoch tief, soll heißen: hinten 1½ Finger Platz, vorne sind es wohl gut 2½ Finger - also vorne etwa 1 cm tiefer als M-Technik, hinten fast unverändert. Im Grund sollte ich hinten das SWP nachrüsten, man hört aber nicht viel gutes zur Spurstabilität bei hohen Geschwindigkeiten -> fällt aus. Geplant ist daher noch die Nachrüstung Z4 Domlager - angeliefert hatte ich sie, die Werkstatt hatte sie aber nicht verbaut, da die alten (1 Jahr, 30 Tkm) noch gut waren - ich hätte mehr über die Wechselgründe sagen müssen...
Den Abstand Achse / Radausschnittskante habe ich noch nicht gemessen - die Federn werden sich sicher noch etwas setzen, und ich werde die "finalen" Werte noch bekannt geben und ggf. auch noch ein Bild davon machen.
Update 06.05.2016:
Nach knapp 500km hat sich das Fahrwerk deutlich gesetzt. Die Abstände Radnabe bis Radhauskante oben sind wie folgt:
1. Messung
[table='mm,L,R']<br />[*]V[*] 351[*] 353 <br />[*] H[*] 330[*] 334 <br />[/table]
2. Messung
[table='mm,L,R']<br />[*]V[*] 352[*] 350 <br />[*] H[*] 330[*] 337 <br />[/table]
Gegenüber der vorangegangen Messung mit der "sportlichen Fahrwerksabstimmung / M-Technik Fahrwerk bedeutet das, dass die Tieferlegung von VA 30mm und HA 25mm (ausgehend vom Standardfahrwerk!) folgende reale Tieferlegung bewirkt:
[table='mm,L,R']<br />[*]V[*] -8[*] -7<br />[*] H[*] -6[*]-2<br />[/table]
Vorne ist der Abstand fast perfekt, hinten ist das eindeutlig zu tief. Die ursprüngliche Idee war, vorne die Domlager gegen welche vom Z4 auszutauschen - hat die Werksttatt (Gott sei Dank) nicht durchgefährt. In der Zwischenzeit denke ich auch wieder über das SWP für hinten nach. Lt. Bruce ist die Stabilität nicht beeinträchtigt, wenn die Spur sauber eingestellt wurde. Das probiere ich aus.
Fahrverhalten
Ich bin von der sportlichen Fahrwerksabstimmung, also quasi dem M-Technik Fahrwerk, umgestiegen. Dieses ist vielleicht nicht erste Wahl, wenn es um ein möglichst gutes Fahrwerkssetup geht, aber halbwegs flott kann man ein Auto schon damit bewegen.
Vor dem Hintergrund ist die Änderung seit dem Einbau des B12 schlichtweg phänomenal. Unglaublich, welche Kurvengeschwindigkeiten damit möglich sind, welche Stabilität das Fahrwerk liefert. Die meiner Meinung nach schon nicht sonderlich ausgeprägte (aber vorhandene, und die Gedanken zu M-Stabis verschiebende) Wankneigung in schnellen Kurven ist fast komplett weg. Die von mir nicht gerade mit Lob überschütteten Hankook Ventus S1 Evo² kleben derartig in den Kurven, dass mir nicht klar ist, wie man die bessere Leistung eines noch besseren Reifens wie Michelin PS4 oder Conti SC5P auf der Straße überhaupt rausfahren soll, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Selbst auf nasser Fahrbahn - sicher nicht die Kernkompetenz des Hankook - bleibt der Reifen absolut stabil. Natürlich fährt man nicht den Speed wie bei trockener Straße, das ist ganz klar, aber ohne Probleme ist man flott unterwegs (Aquaplaning ausgenommen). Auf der BAB bei 200km/h kam man beim M-Fahrwerk allmählich in den Bereich, dass man dem ganzen Geschehen (nicht dem Verkehr, das sowieso - ich meine das fahrdynamische Geschehen) mehr Beachtung schenken muss, da das Heck vielleicht etwas leichter werden könnte, usw... beim B12 passiert garnichts. Das Fahrwerk baut Vertrauen auf, das beim M-Fahrwerk so einfach nicht vorhanden war.
Und das alles immer mal noch vor 2 Aspekten: 1) die Reifen sind runter, und 2) die Spur wurde noch garnicht vermessen, hier liegt definitiv noch Potenzial begraben!!
Mag sein, dass Fahrwerke wie das Gewinde von Öhlins hier sogar noch mehr liefern, aber zu welchem Preis...
Hinsichtlich Preis / Fahrverhalten ganz klar die Note 1.
(kein Update derzeit)
Das Fahrwerk verträgt eindeutig mehr, als der Motor des 330d liefern kann - je schneller man fährt, umso besser wird es.
Und das ist das Problem. Man fährt nicht immer schnell.
Komfort
Es ist ein Sportfahrwerk. Klar. Wer eine Sänfte will, baut sowas nicht ein - völlig logisch. Trotzdem.
Ich wüsste gerne, wer das Wort "Restkomfort" erfunden hat, und wer das dann auch noch mit diesem Fahrwerk in Verbindung gebracht hat. Das Wort ist hier völlig, völlig fehl am Platz, ganz einfach, weil es sowas wie Restkomfort nicht gibt. Nicht hier.
Ich lerne gerade die Straßen, die ich seit Jahren befahre, neu kennen. Ich dachte immer, neue Straßen wären glatt. Sind sie nicht. Sie bestehen aus Millionen von kleinen Hügeln, die man aneinander geschoben hat. Und an Stellen, wo ich zuvor allenfalls nebenbei registriert habe, dass es da wohl eine Unebenheit geben muss, weil ich das jetzt genauer. Das Schlimmste sind Dehnfugen. Das B12 kann die in Länge, Breite, Tiefe und Oberflächenrauheit vermessen - und wirklich jedes Teil im Auto darf davon erfahren und sich dazu äußern. Eigentlich ist das Auto nie wirklich ruhig, in irgendeine Richtung bewegt es sich immer. Eine Abkürzungstrecke, über die ich mit den Winterreifen (17 Zoll Non-RFT) einfach drübergebügelt bin, die ich mit den Sommerreifen (18 Zoll Non-RFT) immerhin noch halbwegs komod genommen habe, werde ich zukünftig auslassen und eine andere Strecke fahren, sonst kann ich das Interior anschließend zusammenkehren (falls ich nicht vorher einen Bandscheibenvorfall erleide).
Wenn dieses Fahrwerk 140% der Leistung des M-Fahrwerkes liefert, sind es im Bereich Komfort noch keine 10%. Für mich eine klare Missbalance. Weniger wäre hier mehr.
Hinsichtlich Komfort ist die Note ganz klar eine 5.
Update 06.05.2016
Auf den letzten 80 bis 100km ergab sich eine sehr deutliche Änderung des Dämpfungsverhaltens. Obwohl noch immer straffer als das M-Fahrwerk, federt und dämpft das Auto inzwischen sehr anständig. Je nach Belag gelangen zwar noch vereinzelt Stöße durch, insgesamt ist das Dämpfungsverhalten aber wesentlich ruhiger geworden, Wellen in der Fahrbahnoberfläche regen das Auto nicht mehr zu Schwingungen an. Selbst das Überfahren von Kanaldeckeln ist jetzt wieder möglich, ohne dass die gesamte Inneneinrichtung ächzt. Die Langstreckentauglichkeit ist fast uneingeschränkt wieder hergestellt. Der Grund für diese Änderung bis bislang unbekannt.
Jedenfalls: so kann das bleiben! Das ist das, was ich unter "Restkomfort" verstehe, und es passt auch zu den Beschreibungen, die ich hier gelesen habe.
Dafür, dass ich beinahe (hätte ich die Zeit gehabt) das Fahrwerk schon wieder ausgebaut hätte, gibt es Punktabzüge.
Komfortwertung neu: Note 2.
Nicht falsch verstehen: das kann alles durchaus Spaß machen. In einem M3. In einem Ringtool. Aber nicht in einem Langstreckenfahrzeug, oder einer Familienkutsche. Auf 10km geht das alles noch, aber 500km vermag ich mir im Moment noch nicht vorzustellen.
Auch nicht vorstellen kann ich mir, dass manche Leute hier noch nicht genug haben, dass es ein noch härteres Fahrwerk sein muss. Ich hätte ja gesagt: die nächsthärtere Stufe hat gar keine Dämpfer mehr, sondern einfach Stahlstangen.
Wie geht's weiter? Ich weiß es noch nicht. Mit Herr Kurth von Tunero habe ich schon geschrieben, er empfiehlt den Wechsel auf ein ST-A oder ST-XA. Mal sehen. Daher, an die Experten die folgenden Fragen:
- Ist es generell abzusehen, dass das Fahrwerk im Laufe der nächsten Monate noch etwas weicher wird, wenn es sich "setzt"?
- welche Möglichkeiten zur Linderung gibt es, also Maßnahmen, dass das Fahrwerk spürbar weicher wird? Ideen waren Absenkung Luftdurch (auf Serienniveau), Distanzscheiben zur Hebelverlängerung auf Radseite, Wechsel auf kleinere Räder (225/45/17 statt 225/40/18 ). Kennt jemand sowas? Luftdruck kann ich ja noch selbst testen...
- wie verhält sich ein ST-(X)A im Verhältnis zum B12? Wie ich Hr. Kurth verstanden habe, sollte der Unterschied deutlich sein.
Ich freue mich über jeden qualifizierten Beitrag...