Beiträge von the bruce

    Immer pro Rad. Die Angabe "pro Achse" habe ich noch nie verstanden. ;)


    Aber die Angabe sollte als Richtschnur gemeint sein. Es kommt immer auf das Auto an.
    Wenn man bspw. mal 1er und 3er vergleicht, dann stellt man fest, dass beide fast das gleiche
    Fahrwerk haben, aber unterschiedliche ETs um so kostengünstig unterschiedliche Spurbreiten
    realisieren zu können. Bei VAG genauso. Ein A3 hat bis zu ET56, ein Scirocco bis ET37.
    Die Achsen sind vorne identisch, hinten fast identisch. Beim 1er (nicht 1M) ist lediglich die HA
    bei den kleineren Motoren etwas simpler, aber die allermeisten Teile sind auch hier identisch.
    Dadurch hat der E9X bereits ab Werk vglw. kleine ETs. Der M3 hat nochmals kleinere ETs und der
    Bereich, in dem das Fahrwerk noch optimal funktioniert, ist bereits weitgehend ausgeschöpft.

    Montiere mal in Gedanken einen 275er auf eine 8.0" (das geht - ist bei SUVs nicht unüblich).
    Die Flanke wird dabei so sehr nach innen gezogen, dass auch die äußere Kante der Lauffläche
    nicht mehr den Asphalt berührt.
    Deshalb werden im Motorsport gerne so breite Felgen wie möglich gefahren. Die Reifenbreite
    ist ja sowieso fast immer durchs Reglement begrenzt.

    Ok, nachdem ich schon geblinzelt habe versuch ich's mal:



    Die Knackpunkte lauten:


    - Lenkrollradius
    - Störkrafthebelarm
    - Elastokinematik
    - Zentrierung


    Ich werde mich aus Zeitgründen eher kurz fassen. Wenn jemand das näher interessiert
    und ihm was unklar ist kann er o.g. Begriffe googeln oder ggf. einfach hier nachfragen.
    Kurz ist dabei sehr relativ. Dazu werden ganze Fachbücher geschrieben und deren Inhalt
    kann man nunmal nicht auf ein paar Zeilen komprimieren.



    Der LRR ist der Abstand zwischen dem Mittelpunkt der Reifenaufstandsfläche (im Fach-
    jargon "Latsch" genannt) und dem Punkt, an dem die gedanklich verlängerte Lenkachse
    auf die Fahrbahn trifft. Dazu musst man bei einfachen Federbein-Vorderachsen (bis E46)
    einfach eine Gerade ziehen von der Mitte des Domlager durch das Führungsgelenk und
    dann eben bis auf den Boden. Bei der Zweigelenk-Federbein-VA des E9X mit getrennten
    Zugstreben und Querlenkern wird's komplizierter, aber selbstverständlich gibt es auch
    da einen LRR.
    Der LRR kann positiv, Null oder negativ sein. Null ist blöd fürs Lenkgefühl, negativ und
    positiv haben jeweils ihre Vorteile. Ein negativer LRR wird heute von den meisten Her-
    stellern bevorzugt weil ein Schiefziehen auf µ-Split sich teilweise selbst kompensiert.


    Wichtig zu wissen: Ob nun positiv oder negativ - der LRR sollte niemals zu groß sein. Und
    mit kleineren ETs (oder Distanzscheiben, geometrisch gesehen das Gleiche) wird der LRR
    in Richtung positiv verändert. Ist er negativ, wird er kleiner, ist er bereits positiv, so wird
    er größer.



    Der Störkrafthebelarm ist was anderes, aber sehr ähnlich. Deshalb wird beides gerne ver-
    wechselt. Gemessen wird er auf Höhe des Spurstangenkopfs und ist daher ein direktes
    Maß für die Störung in der Lenkung. Wer googelt wird zahlreiche Grafiken finden, die das
    bestens erklären. Daher verzichte ich hier darauf es detaillierter zu erklären und behandle
    LRR und SKHA gleich.


    Nun, die Auswirkungen eines (großen) LRR bzw. SKHA:


    - höhere Lenkkräfte
    - deutlich höhere Störeinflüsse von Spurrinnen
    - stärkerer destabilisierender Effekt bspw. von Schneeresten auf der Fahrbahn
    - in Folge schlechterer Geradeauslauf und erhöhter Korrekturbedarf



    Soweit die Fakten. Meine persönliche Meinung dazu:


    Da es einen erheblichen Eingriff in die aufwendig von BMW entwickelte Geometrie des Fahr-
    zeugs darstellt, sollte man genau wissen, was man tut, wenn man es ändert. Um ehrlich zu
    sein - das weiß aber leider kaum einer. Die Risiken dabei minimiert man indem man sich in
    Bereichen bewegt, die es werksseitig gibt. Beim M3 ist das an der VA eben ET29 bis ET31.



    Zur Elastokinematik. Kinematik kommt aus dem Griechischen bedeutet Fahrwerkssektor die
    Bewegung des Rades auf einer vorgegebenen Bahn. Diese Kinematik ist an der VA durch das
    Federbein-Konzept etwas einfacher und bei der hinteren Fünflenker-Achse erheblich kom-
    plexer. Da ist es aber auch wichtiger, vor allem bei einem starken Hecktriebler. Nur ein Bei-
    spiel: Beim Einfedern ergeben sich auch gewollte Änderungen bei Sturz (wird größer) und
    Spur (geht an der HA in Richtung Vorspur, an der VA > Nachspur).


    Nun sind aber aus Komfortgründen alle Lenkerelemente in Gummi gelagert (beim M3 steifer
    als bei normalen E9X). Rennwagen besitzen dagegen spielfreie Unibalgelenke, die eine abso-
    lut präzise Radführung ermöglichen.


    Bei einer normalen Doppelquerlenkerkonstruktion würden solche nachgiebigen Gummilager
    dazu führen, dass sich Längskräfte (Antrieb, Bremsen) direkt in sehr ungünstiger Weise auf
    die Spur auswirken. Beim Beschleunigen wandert das Rad nach vorne und geht auf Vorspur,
    beim Bremsen wird es nach hinten gezogen und geht auf Nachspur. Das wäre völlig inakzep-
    tabel. Deshalb gibt es heute im PKW-Bereich so komplexe Hinterachsen wie bei E9X und Co,
    denn da braucht man nunmal nachgiebige Gummilager, sonst wäre der Komfort unerträglich.
    Die Verformung der Gummilager wird also von Anfang an bei der Auslegung der Achse berück-
    sichtigt und die Kinematik darauf abgestimmt.


    Jetzt spielt es aber - und das ist der Punkt - eine erhebliche Rolle welche Hebelarmlängen
    auf diese Lager und Lenker einwirken und das ändert sich mit der ET der Räder !! Es ergibt
    sich also mit deutlich kleineren ETs zwangsläufig eine falsche Elastokinematik.



    Letzter Punkt, die Zentrierung. Das hat man mit Rädern kleinerer ET selbstverständlich nicht,
    sehr wohl aber hin und wieder mit Distanzscheiben. Die Meisten hier werden wissen, dass Pro-
    bleme damit ab und zu vorkommen. Das liegt dann schlichtweg an der Präzision der Fertigung
    und den sich daraus ergebenden Toleranzen von Radnabe, Distanzscheibe, Zentrierbohrung
    der Felge sowie ggf. des Zentrierrings. Es sollte selbstverständlich sein, dass man ausschließlich
    DS mit Zentrierung verwendet.
    Fakt ist: Wenn man keine Distanzen verwendet, dann ist dieses Problem auch nicht existent.



    Es ist bei allen Änderungen im Bereich Fahrwerk, Rad und Bremse nicht völlig verkehrt sich
    gewisser Problematiken bewusst zu sein und einfach etwas Augenmaß zu bewahren. Darum
    ging es mir. Sonst wundert man sich in manchen Situationen über ein "seltsames Verhalten"
    seines Autos und weiß nicht wieso es das macht. Oder noch viel schlimmer, man baut einen
    Unfall und weiß nicht was passiert ist.

    Rein von der Messgenauigkeit ist es fast egal ob man per Sensormessstab, per Sensor
    in der Ablassschraube oder mittels separat an/in der Wanne angebrachtem Geber misst
    solange der Geber was taugt. Der Ölstab ist da sogar leicht im Vorteil weil er nicht im
    Fahrwind liegt.
    Ich frage mich nur ob nicht schon werksseitig einer vorhanden ist, den man nur anzapfen
    müsste. Steht doch im Geheimmenü, oder? Dann gibt es auch einen Geber.

    Technisch gar kein Problem. Dutzende Modelle auf dem Markt kommen werksseitig mit 245ern auf
    einer 8.0" breiten Felge, auch BMW 5er, Audi A6 und MB E-Klasse.
    Nur 225er auf einer 8" wie beim 3er sind dagegen eher die absolute Ausnahme. Diese Kombination
    findet man eher im Tuningsektor, dort ist sie gängig.
    Wegen der Eintragung würde ich mir ebenfalls keine Sorgen machen. 1er M, M3 und Alpina D3 sowie
    B3s haben an der VA 245er und es lohnt sich auch, mal einen Blick auf deren Wintergrößen zu werfen,
    denn die weisen meist schmalere Räder auf. Desweiteren sieht man sich einfach diverse Gutachten
    von Zubehörrädern an. Da stehen meist auch 235er drin und manchmal auch 245er rundum.


    Ich würde dennoch einfach 235er nehmen. Die ermöglichen genügend Grip für einen 320d. Um das
    Untersteuern einzudämmen montiert man dann noch die Querlenker vom M3 (sowie vielleicht auch
    die Zugstreben) und entfernt den Dorn aus dem Domlager um auch dort noch etwas mehr Sturz zu
    gewinnen. Damit kommt man dann auf gut -1° an der VA. Zusammen mit guten Reifen reicht das für
    ein Alltagsauto. Zumal es zusammen mit Tieferlegung ja noch etwas mehr wird.
    Ein 245er wird nur noch wenig mehr an Aufstandsfläche bringen solange man nicht gleichzeitig auch
    die Felge verbreitert.

    Wenn bei gegebenem HBZ der (oder bei Mehrkolbensätteln die) Kolben im Durchmesser steigen,
    dann steigt der Druck des (der) Kolben(s) auf den Belag. Oder bei gegeben angenommener
    Verzögerung (abhängig vom Anpressdruck des Belags) ist eben weniger Pedalkraft erforderlich.
    Gleichzeitig steigt allerdings in letzterem Fall auch der Pedalweg und das Pedalgefühl wird weicher.


    Das ist bei Hydraulik nicht anders als wenn man die Übersetzung rein (klassisch) mechanisch mit
    Zahnrädern oder Hebeln realisieren würde. Wenn du auf dem Fahrrad sitzt und an einer Steigung
    runter schaltest wird es auch leichter, aber du musst schneller treten.


    kleiner Kolben im HBZ + großer Kolben im Sattel = wenig Pedalkraft erforderlich bzw. viel Bremskraft an dieser Achse
    großer Kolben im HBZ + kleiner Kolben im Sattel = hohe Pedalkraft nötig bzw. weniger Bremskraft an dieser Achse


    Und die Nutzlasterhöhung? Bekommt man dann nicht nur wie in deinem Beispiel an der HA die
    größere Bremse? Deren Codierung würde ich dann selbstverständlich auch nur dann übernehmen
    wenn ich nur hinten größer gehe. das macht ja anders keinen Sinn.

    Klar geht da noch was.


    Aber ist sich auch jeder bewusst, dass Distanzen auch erhebliche Nachteile mit sich bringen?


    Einen M3 kauft man sich doch vor allem wegen der Performance. Und die wird ganz sicher nicht
    besser. Die Fahrsicherheit leidet sogar ganz eindeutig. Falls mir da jemand widersprechen möchte
    hoffe ich er kann's auch begründen. Denn ich kann es wenn nötig.

    Ja, da hat Dave aber bestimmt auch VA und HA umgebaut, oder?


    Immerhin spricht der Besucht auf dem Bremsenprüfstand (auch wenn die Dinger
    eher ungenau sind) dafür, dass die große Bremse deutlich mehr Bremsmoment
    aufbringt.




    Nee, das stimmt so nicht ganz.


    Es ist keine Frage der Anzahl der Kolben. Entscheidend für das Bremsmoment sind neben dem Reibwert
    der Beläge (vermutlich weitgehend gleich) und dem anliegenden Hydraulikdruck vor allem die Größe des
    Kolbens und der wirksame Radius. Letzterer ist sozusagen der Hebelarm.
    Also steigt der mit dem Durchmesser der Scheibe und dann hat die Bremse eben mehr Wirkung und
    damit auch jeder Regelimpuls des DSC.
    Und auf gar keinen Fall "gleicht sich da was aus". Wie soll das gehen? Die 335er Bremse hat ja bestimmt
    keinen kleineren Kolben als die 300er Anlage von einem 318d. Wenn das doch so sein sollte, dann ja.


    Und naja, ob Otto Normalbremser was merkt ist immer die Frage. Aber einen Unterschied beim DSC gibt
    es. Sonst gäbe es nicht unterschiedliche Applikationen.



    Einfach mal das hier lesen:


    http://www.springer.com/spring…ik/book/978-3-8348-1796-9


    Ich hab die 2013er Auflage.