Im Prinzip ist ja alles schon geschrieben worden - im großen Ölthread, und zum Teil jetzt auch hier.
Ich bin auch niemand, der aus purer Langeweile Teile am Auto wechselt. Nur halte ich lieber instand als zu reparieren.
Richtig ist auch, Altöl muss aufbereitet werden,damit man den Schaden für die Umwelt begrenzen kann, und frisches Öl muss raffiniert werden, usw. - für die Umwelt ist das alles nicht so toll.
Aber was kostet es die Umwelt, wenn man einen neuen Motor aufbauen muss? Da steckt auch eine Menge Energie und Chemie drin. Von den Kosten rede ich garnicht erst.
Zu den Kosten für den Wechsel: ich habe auch bei den Niederlassungen das Öl mitgebracht. Lange Zeit das originale BMW Quality, aber in 0W40, was die Werkstätten nicht hatten. Da war auch deren Argumentationskette so kurz, dass der Werkstattmeister nicht mal Luft geholt hat.
Wenn ich kein Vertrauen zu einer Werkstatt habe, fahre ich da nicht mehr hin. Die nächstgelegene NL sieht mein Auto auf dem Parkplatz vor dem Teiledienst - das war's. Wenn ich meine Kiste zur Wartung gebracht habe, bin ich einen Weg 40km gefahren. Die waren aber sauber. Inzwischen ist die Kiste aus der Scheckheftwartung raus, und meine freie Werkstatt erledigt das, oder ich erledige das dort - ich habe dort gelernt, als das noch eine VW-Werkstatt war.
Ansonsten kann man sich bei ATU auch daneben stellen, ich habe das schon gemacht. Die sagen da nix. PtStop wollte das nicht "Sie stellen das Auto morgens hin und können es abends wieder abholen. Bei BMW können Sie auch nicht zugucken". Doch, ich kann. Mein Auto. Da kann ich einfach alles. Tschüß.
Ölkosten sind an der Stelle auch kein Argument mehr, Markenöle sind ab 7,- den Liter zu bekommen, für 8 Liter Öl mit Filter sind das keine 60,- Euro. Vergleich mit den 1500 Euro Reparaturkosten: das sind 1500/60 = 25 Ölwelchsel, also 375tkm zusätzliche Km Laufleistung. Wenn man jedes Mal 25€ in die Arbeit von ATU steckt und die 30 Minuten die das dauert, verschiebt sich das etwas, aber ändert nichts an der Aussage an sich.
Ölfilter:
diese tollen Filter "kenne" ich. Kann sein, dass die Schwebestoffe aus dem Öl zu bekommen sind. Es wird auch bei einem Standardfilter nicht schaden, wenn man den nach 15tkm welchelt und das Öl drin lässt - suboptimal, aber besser als nix.
Wir haben aber andere Probleme.
Ölverdünnung:
durch Dieselkraftstoff, das Zeug wird permanent eingetragen, besonders bei kaltem Motor und bei jeder Reg., wenn übermäßig viel Kraftstoff zur Verfügung steht und sich an der Zylinderwand absetzt. Dieselenthält (mit der einzigen Ausnahme Aral Ulitmate, mWn) immer 5 - 7% Biodiesel. Der normale Diesel gast schon schlecht aus, Biodiesel bleibt drin. Das Zeug bekommst du nicht mehr raus, und es schmiert schlecht.
Ich hatte mal Elternzeit gemacht, 9 Wo nur Kindergrippe und zurück -> 250km in dieser Zeit. Anschließend wieder einige Wochen Langstrecke zur Arbeit, dann Ölanalyse. Ergebnis: bitte wegen zu hohem Anteil an Biodiesel (es war fast kein normaler Diesel mehr im Öl!) bitte sofort wechseln! Laufleistung: 15tkm. Das Öl war aber bis zum Ergebnis eh schon draußen.
Schmutzhaltevermögen:
ist hier auch schon angesprochen worden. Irgendwann kann das Öl den ganzen Dreck (hauptsächlich Verbrennungsrückstände wie Ruß, aber auch überhitzte Bestandteiles des Öls selbst) nicht mehr in der Schwebe halten - die setzen sich dann ab. Die sich bildende Schicht (irgendwann: Kruste) eignet sich für die Teile nicht zum darüber gleiten. Wenn das auf der Gleitschiene der Kette (oder an der Kette selbst) passiert, erhöht das eben die Zugspannung auf die Kette.
Aufzehren der alkalischen Reserve:
für mich eines der kritischsten Probleme. Durch die Verbrennung geraten ständig Säuren in das Öl. Dieses ist alkalisch, um diese Säuren zu neutralisieren. Irgendwann kann das Öl das aber nicht mehr, ab dann wird die Suppe sauer.
Was machen Metalle, die mit Säuren in Kontakt kommen? Richtig: sie korrodieren. Bei Stahl nennt man das "rosten".
Muss ich beschreiben, wie sich schon kleinste Querschnittsveränderungen und Kerben (Rostpünktchen) auf diese Uhrmacherketten auswirken? Ich denke, das kann sich jeder vorstellen, wenn man an den Threadtitel denkt.
Dass alte Autos an der Stelle unendfindlicher sind, hat sicher auch Ursachen.
Zum einen sind die autos früher von Ingenieuren konstruiert worden, und nicht von Rotstiftakrobaten ("Controller"). Da kamen noch Ketten in den Motor, nicht Kettchen.
Dann waren die Wechselintervalle generell kürzer, dazu hat keiner was gesagt, weil es normal war. Der LL Service ist ja auch nicht Ingenieuren eingefallen, sondern den Leuten, die Flottenservice machen - die wollen den Kunden minimale Wartungskosten verkaufen.
Und natürlich: wenn ein Motor das Öl wegschlüft wie der Mini von radical,schüttet man frisches nach, das ist auf jeden Fall eine Hilfe.